„Die zukunftsvergessene und innovationsversessnene Kultur des unbegrenzten Wachsens und Konsumierens ist ein Endzeitphänomen. Eine Gesellschaft, die über ihren Fortbestand angesichts sich dramatisch verändernder Umweltbedingungen nicht nachdenkt [und handelt], kann nicht fortbestehen. Das heißt: Sie wird unter großen menschlichen Kosten peu a peu zerfallen und im Verlauf, sich selbst zu transformieren, immer weiter einbüßen. Oder sie wird sich kulturell und sozial erneuern und als eine andere, transformierte überleben. (…) Die Frage ist lediglich, ob sie eher (…) auf Basis von zivilisatorischen Errungenschaften wie Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, sozialer Gleichheit und Solidarität gestaltet werden kann, oder ob sie stärker von den Verhältnissen erzwungen wird; kurz, ob die Transformation >by design or by desaster< erfolgt.“

Quelle: Sommer, Bernd; Welzer, Harald (2014): Transformationsdesign, Einband.

  • Transformation ist ein anderes Wort für Wandel, Veränderung oder Zukunftskunst. Es ist ähnlich wie das Wort Nachhaltigkeit austauschbar und muss erst mit Inhalt gefüllt werden. Im Buch Transformationsdesign (Bernd Sommer und Harald Welzer), sowie in Die große Transformation (Uwe Schneidewind) wird genau dies getan. 

Es wird deutlich gemacht, dass es wichtig ist etwas zu ändern also aktiv zu gestalten, statt nur zu reagieren. Die Dringlichkeit dazu wird durch Statistiken und Analysen untermauert. Eine lebenswerte Nachhaltige Zukunft ist das Ziel. Es wird deutlich gemacht, dass es nicht ‚die eine Lösung‘ gibt, sondern viele individuelle Lösungen, sogenannte Heterotopien (gelebte kleine Utopien).

“Wir befinden uns in einer ungeheuren Katastrophe der Weltgeschichte, in einer Umwandlung des ganzen Lebens und des ganzen inneren Menschen.“

Das Bestreben der TransformationsTheorien ist sehr ähnlich zu den Lösungsansätzen, welche es schon im Bereich der Nachhaltigkeit gibt. Daher ist Transformationsdesign viel mehr als großen Überblick über Nachhaltigkeit und Ökologie im Zusammenhang zu dem komplexen globalen System zu sehen. Transformationsdesign ist auch als Motivation gedacht. Das Rad wird nicht neu erfunden, Transformationsdesign ist viel mehr eine Ansammlung von Strukturen und Teillösungen. Es zeigt welche Strukturen schon vorhanden sind und genutzt werden können.
Die Chance von Transformationsdesign, besteht darin, dass vieles auf Politik- und Unternehmensebene umsetzbar ist. Also in genau den großen Dimensionen, welche für eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation sorgen können.

Natürlich ist die Beschäftigung mit ganzheitlicher Nachhaltigkeit und dem Status Quo in Sachen Umweltbilanz ernüchternd und demotivierend. Die Transformationstheorien wollen den Glaube an die Zukunft wieder ins positive umwandeln und zeigen, dass es eine andere Vision der Zukunft, als die der Apokalypse gibt.

In meiner Thesis gehe ich auf Unterschiede, sowie Gemeinsamkeiten der Transformationstheorien ein. Hinzugezogen wird das Konzept des Cradle to Cradle (geschrieben von Micheal Braungart und William McDonough). Dies bietet sich an, da einige Aussagen übereinstimmen und man eine ähnliche Vorstellung der Zukunft hat. Außerdem zeichnet es sich momentan ab, als ob das Kreislaufsystem der nächste Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit, vor allem im Textilbereich sein wird. Das Konzept des Cradle to Cradle – das Kreislaufsystem ist eine gute Ergänzung zu den Bestreben der Transformationstheorien.
Als gemeinsamen Nenner lässt sich eine Richtung ausmachen in die es im besten Fall gehen soll. Eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen und im Einklang mit der Natur. Nur wird dies mit unterschiedlichen Begriffen und Lösungsansätzen erklärt.

Transformationsdesign zielt auf eine Transformation hin zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Moderne ab, aber vor allem ausgerichtet auf Reduktion von Ressourcenverbrauch und Produkten. Anhand einiger Beispiele wird im Buch Transformationsdesign von Harald Welzer und Bernd Sommer deutlich an welchen Stellen Design ansetzen kann um etwas in der Gesellschaft zu verändern.
Cradle to Cradle dagegen steht für eine nachhaltige und zukunftsfähige Moderne, mit Hilfe des Kreislaufsystems für Ressourcen aller Art. Hier wird allerdings betont, dass es keine Reduktion braucht, sondern eine intelligentere Nutzung und Verteilung der Ressourcen.

Die zwei Kreisläufe
Nach dem Prinzip der Kreisläufe gibt es zwei Materialströme: Bio- und technische Masse. Biomasse (=Biosphäre-Kreisläufe der Natur) ist alles, was die Natur hervorbringt, Technische Masse (=Technosphäre- Kreisläufe der Industrie) ist alles, was durch eine industrielle Infrastruktur entsteht. Momentan gibt es noch zu viele Produkte in denen sich beide Kreisläufe vermischen. Einige Materialien aus dem biologischen Kreislauf können zwar vom technischen Kreislauf aufgenommen werden, aber nicht umgekehrt, da die technische Masse von der Natur nicht abgebaut werden kann. Außerdem entstehen so Verunreinigungen, welche zu vermeiden sind. Diese können toxische Auswirkungen haben, wobei es auch darum geht diese nach und nach aus allen Produkten und Materialien zu entfernen. Produkte sollen von Anfang an so zu konzipiert werden, dass Abfall überhaupt nicht vorkommt. Umgestellt auf das Kreislaufsystem, werden die bisher angestrebten Prinzipien, wie vermindern, wiederverwenden und verwerten überflüssig oder stark reduziert. Außerdem wird kein, oder kaum noch Abfall anfallen, so die Theorie von Braungart und McDonough. Doch dafür müssen Materialien und Produkte so gedacht und konzipiert sein, dass sie einfach und sortenrein wieder upgecycelt, also nicht re- oder
downgecycelt werden können. Quelle: Cradle to Cradle von Micheal Braungart und William McDonough

Cradle to Cradle ist aufgrund der Radikalität eben vielleicht genau das richtige oder effizienteste Konzept für Unternehmen und Politik. Denn sie haben die Möglichkeit, Prozesse und Strukturen grundlegend zu ändern. Hier ist etwas Reduktion tatsächlich langfristig zu wenig. Das Konzept des Cradle to Cradle ist für KonsumentInnen weniger geeignet. Es lässt sich nicht ohne weiteres umsetzen. Denn als BürgerInnen hat man oft nur die Möglichkeit weniger schlecht zu agieren. ‚Da komplett gut‘ sich dem eigenen Wirkungsradius entzieht. Man kann ansetzen bei der Forderung von Kopatz und Braungart, dass es sehr wichtig ist zu „machen“ und sich politisch oder aktivistisch zu engagieren. Die Forderung von Braungart, nicht auf reduce, recycle, reuse zu setzen, sondern auf Redesign,
Reinvent und Rethink kann man so nicht leichtfertig übernehmen. Denn wieso sollte nicht beides funktionieren. Vielleicht ist das eine auch ohne das andere nicht möglich.

ABLEITBARE GESTALTUNGSKRITERIEN

Transformationsdesign:
● So wenig Naturverbrauch wie möglich
● Dem Werteverlust entgegenhalten
● Langsamer produzieren
● Bereitschaft zu Deprivilegierung ausbauen
● Abschaffung nicht zukunftsfähiger Teilbereiche
● Soziale Ebene miteinbeziehen
● Regionales Material und Produktion
● Technikeinsatz ist zwar oft hilfreich, aber ein nicht nachhaltiges System wird dadurch nicht nachhaltig
● Beachte: Rebound Effekt
● Mindshift & Reduktion
● „Green Growth“ ist ein Mythos
● Wie gestalte ich eine Kultur des Weniger?
● Kleinstmöglicher Aufwand, dieser kann auch bei Null liegen
● Nicht sofort Neugestalten, ein vorhandenes Produkt überdenken, ggfs. umgestalten
● Es gibt immer unbeabsichtigte Folgen
● Mehr als eine Saison im Blick haben
● Privates=Politisch
● Nachhaltige Praktiken (auch von früher) identifizieren und (wieder-) beleben
● Wir können es uns nicht mehr leisten, das Neue zu favorisieren.
● Vermeidung von Abfall
● Oft führt eine Verbesserung zu einer Verminderung der Qualität.
● Handeln ist wichtig ist entscheidend
● Gefühl für ein „Genug“ entwickeln
● Proaktiv (gestalten), nicht nur reagieren
● Was ist gutes Leben (für alle) und was erfordert es?
● Anreizrahmen ändern
● Kann ich mit meinem Produkt nicht auch soziale & politische Strukturen ändern?

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